Wundern Sie sich auch? Da werden mal eben 9 Länder der Euro-Zone durch die Rating-Agentur S & P in ihrer Bonität heruntergestuft (darunter auch Frankreich von AAA auf AA+), schon wenig später wird folgerichtig der EFSF heruntergestuft… Und was machen die Börsen? Nicht nur vermeiden sie Verluste, sondern steigen.. und die Renditen der Staatsanleihen sinken..!
Vor wenigen Wochen noch hätten wir ein Schlachtfest an den Finanz- und Kapitalmärkten erlebt; die Kurse der Anleihen der betreffenden Länder wären abgestürzt, die entsprechenden Renditen wären drastisch gestiegen, die Aktienmärkte hätten massiv verloren…
Was ist passiert?
In meinen vorhergehenden Beiträgen hier hatte ich die Frage gestellt, wer eigentlich den enormen Refinanzierungsbedarf europäischer Staaten in 2012 abdecken wird, wer also Käufer von europäischen Staatsanleihen in 2012 sein wird; immerhin müssen in 2012 knapp 1 Billion EURO (1000 Mrd. EURO) refinanziert werden…
Die aktuelle Wirklichkeit: Neue Staatsanleihen von z. B. Italien und Spanien – vor kurzem noch in den veröffentlichten Medien als Pleitekandidaten gehandelt – finden reißenden Absatz, sind mehrfach überzeichnet – bei deutlich gefallenen Renditen…
Probleme also gelöst? Alles wieder in Butter?
Schauen wir auf die Zahlen und Fakten und stellen uns obige Frage zum Schluss noch einmal…
Stellen Sie sich vor, Sie befänden sich gerade in einer wirtschaftlich schwierigen Situation, wären gezwungen – aus welchen Gründen auch immer – unbedingt Ihr Eigenkapital zu erhöhen und Ihr Vermögen setzt sich zu einem Gutteil aus relativ problematischen Assets zusammen, bei denen nicht klar ist, ob Sie Ihr eingesetztes Kapital jemals zurückerhalten werden…
Eine unangenehme Situation…
Nun stellen Sie sich vor:
- Ihre Bank würde Ihnen einen Kredit anbieten mit einer Laufzeit von 3 Jahren und einem Zinssatz von 1% p.a.
- Es gäbe eine relativ sichere Möglichkeit, das aufgenommene Kapital zu z. B. 5% p.a. anzulegen.
- Und der Clou: Die erworbenen Kapitalanlagen und Ihre alten problematischen Assets können zu 100% als Sicherheiten bei der Bank hinterlegt werden, um weiteres Kapital zu den oben genannten Konditionen aufzunehmen…!
Wer würde da nicht erfreut zugreifen, denn:
- es winkt ein ordentlicher Reibach, der Ihnen dazu verhelfen wird, Ihr Eigenkapital zu erhöhen,
- Sie hätten die Möglichkeit, Ihre problematischen Assets bei der Bank abzuladen.
Zurück in die Wirklichkeit: am 22. Dezember 2011 flutete die EZB die Märkte mit ca. 500 Mrd. EURO und stellte europäischen Banken zu genau den oben genannten Konditionen Kapital zur Verfügung. Die EZB kündigte an, in ähnlicher Art und Weise auch zukünftig vorgehen zu wollen. Eine derartige Aktion darf man wohl getrost als gelungenes Weihnachtsgeschenk bezeichnen..!
Unter diesen Umständen war klar, dass der Kauf von hochrentierlichen Staatsanleihen aus der EURO-Zone wieder deutlich weniger risikobehaftet sein würde; Banken kauften also mit dem billigen Geld der EZB bei den letzten Auktionen europäischer Staatsanleihen von z. B. Italien und Spanien massiv ein und sorgten so für eine problemlose Platzierung dieser Anleihen, was zu sinkenden Finanzierungskosten der Defizite der betreffenden Länder führte.
Fazit: ein Bombengeschäft für die Banken, derart lukrativ, dass die Hinterlegung der auf diese Art und Weise erworbenen Anleihen bei der EZB als Sicherheit sogleich für die Ausreichung weiteren Kapitals an die Banken zu oben genannten Konditionen zu einer weiteren Stabilisierung des europäischen Anleihemarktes führte…
Und: auf diese Art und Weise entstehen bei den Banken riesige Gewinne, die gezielt eingesetzt werden können, um den neuen Eigenkapitalanforderungen zu genügen…
Einige Anmerkungen dazu:
- Wieder einmal machen Banken in Europa riesige Gewinne auf Kosten der europäischen Steuerzahler und sanieren ihre maroden Bilanzen, ohne einen einzigen Cent Eigenkapital einsetzen zu müssen – denn die Gewinne bestehen aus Zinsleistungen europäischer Staaten, die aus den jeweiligen nationalen Haushalten finanziert werden müssen, und das eingesetzte Kapital wird zu sensationell günstigen Kreditkonditionen von der EZB zur Verfügung gestellt. Europa – ein Paradies für Banker…
- Wenn schon die EZB auf die oben geschilderte Art und Weise Kapital in diesem Umfang zur Verfügung stellt, damit die Refinanzierung europäischer Schuldenstaaten zunächst einmal gesichert ist, wäre es doch wesentlich sinnvoller, die EZB würde – unter Umgehung der Banken – direkt die Staaten refinanzieren. Dies hätte zur Folge, dass man den Staaten das Kapital noch günstiger zur Verfügung stellen könnte, so dass die Zinslasten für die einzelnen Länder noch weiter gesenkt werden könnten. Ein solches Vorgehen ist allerdings durch die Satzung des EZB verunmöglicht, da die EZB ausdrücklich am Primärmarkt nicht im Anleihenmarkt intervenieren darf.
Alles in Butter also?
Ja, für die Banken schon…!
Ansonsten: klares Nein…!
Zwar sind die Refinanzierungskosten für Staaten aus der EURO-Zone nun deutlich gesunken, aber – so absurd es vielleicht klingt – könnte dies möglicherweise genau dazu führen, dass hochverschuldete Staaten nun in ihren Anstrengungen nachlassen, Ihre Haushalte in den Griff zu bekommen. Niemand sollte die Zwangslage von Politikern unterschätzen, die darin besteht, dass man möglicherweise die umfänglichen Notwendigkeiten zur Restrukturierung der Staatsfinanzen zwar kennt, zugleich aber auch durch rigorose Maßnahmen alle Chancen verspielen würde, wiedergewählt zu werden…
Sollte diese Befürchtung eintreten, dann werden Schulden weiter wachsen, statt abgebaut werden. Früher oder später würde es dann zum großen Knall kommen.
Fazit: Alle Länder der EURO-Zone müssen wirkungsvolle Maßnahmen ergreifen, um ihre Haushalte zu sanieren und Schulden zurückzuführen.
Es reicht nicht aus, eine Fiskalunion zu beschwören und Verschuldungsbremsen in die nationalen Verfassungen aufzunehmen.
Die Devise für die Staaten der EURO-Zone muss lauten: Ausgaben dort kürzen, wo es sinnvoll und verträglich ist und die Einnahmeseite deutlich verbessern.
Wie das geht? Darüber kann man trefflich streiten – aber das ist ein anderes Thema..!








