Wundern Sie sich auch? Da werden mal eben 9 Länder der Euro-Zone durch die Rating-Agentur S & P in ihrer Bonität heruntergestuft (darunter auch Frankreich von AAA auf AA+), schon wenig später wird folgerichtig der EFSF heruntergestuft… Und was machen die Börsen? Nicht nur vermeiden sie Verluste, sondern steigen.. und die Renditen der Staatsanleihen sinken..!

Vor wenigen Wochen noch hätten wir ein Schlachtfest an den Finanz- und Kapitalmärkten erlebt; die Kurse der Anleihen der betreffenden Länder wären abgestürzt, die entsprechenden Renditen wären drastisch gestiegen, die Aktienmärkte hätten massiv verloren…

Was ist passiert?

In meinen vorhergehenden Beiträgen hier hatte ich die Frage gestellt, wer eigentlich den enormen Refinanzierungsbedarf europäischer Staaten in 2012 abdecken wird, wer also Käufer von europäischen Staatsanleihen in 2012 sein wird; immerhin müssen in 2012 knapp 1 Billion EURO (1000 Mrd. EURO) refinanziert werden…

Die aktuelle Wirklichkeit: Neue Staatsanleihen von z. B. Italien und Spanien – vor kurzem noch in den veröffentlichten Medien als Pleitekandidaten gehandelt – finden reißenden Absatz, sind mehrfach überzeichnet – bei deutlich gefallenen Renditen…

Probleme also gelöst? Alles wieder in Butter?

Schauen wir auf die Zahlen und Fakten und stellen uns obige Frage zum Schluss noch einmal…

Stellen Sie sich vor, Sie befänden sich gerade in einer wirtschaftlich schwierigen Situation, wären gezwungen – aus welchen Gründen auch immer – unbedingt Ihr Eigenkapital zu erhöhen und Ihr Vermögen setzt sich zu einem Gutteil aus relativ problematischen Assets zusammen, bei denen nicht klar ist, ob Sie Ihr eingesetztes Kapital jemals zurückerhalten werden…

Eine unangenehme Situation…

Nun stellen Sie sich vor:

  • Ihre Bank würde Ihnen einen Kredit anbieten mit einer Laufzeit von 3 Jahren und einem Zinssatz von 1% p.a.
  • Es gäbe eine relativ sichere Möglichkeit, das aufgenommene Kapital zu z. B. 5% p.a. anzulegen.
  • Und der Clou: Die erworbenen Kapitalanlagen und Ihre alten problematischen Assets können zu 100% als Sicherheiten bei der Bank hinterlegt werden, um weiteres Kapital zu den oben genannten Konditionen aufzunehmen…!

Wer würde da nicht erfreut zugreifen, denn:

  • es winkt ein ordentlicher Reibach, der Ihnen dazu verhelfen wird, Ihr Eigenkapital zu erhöhen,
  • Sie hätten die Möglichkeit, Ihre problematischen Assets bei der Bank abzuladen.

Zurück in die Wirklichkeit: am 22. Dezember 2011 flutete die EZB die Märkte mit ca. 500 Mrd. EURO und stellte europäischen Banken zu genau den oben genannten Konditionen Kapital zur Verfügung. Die EZB kündigte an, in ähnlicher Art und Weise auch zukünftig vorgehen zu wollen. Eine derartige Aktion darf man wohl getrost als gelungenes Weihnachtsgeschenk bezeichnen..!

Unter diesen Umständen war klar, dass der Kauf von hochrentierlichen Staatsanleihen aus der EURO-Zone wieder deutlich weniger risikobehaftet sein würde; Banken kauften also mit dem billigen Geld der EZB bei den letzten Auktionen europäischer Staatsanleihen von z. B. Italien und Spanien massiv ein und sorgten so für eine problemlose Platzierung dieser Anleihen, was zu sinkenden Finanzierungskosten der Defizite der betreffenden Länder führte.

Fazit: ein Bombengeschäft für die Banken, derart lukrativ, dass die Hinterlegung der auf diese Art und Weise erworbenen Anleihen bei der EZB als Sicherheit sogleich für die Ausreichung weiteren Kapitals an die Banken zu oben genannten Konditionen zu einer weiteren Stabilisierung des europäischen Anleihemarktes führte…

Und: auf diese Art und Weise entstehen bei den Banken riesige Gewinne, die gezielt eingesetzt werden können, um den neuen Eigenkapitalanforderungen zu genügen…

Einige Anmerkungen dazu:

  • Wieder einmal machen Banken in Europa riesige Gewinne auf Kosten der europäischen Steuerzahler und sanieren ihre maroden Bilanzen, ohne einen einzigen Cent Eigenkapital einsetzen zu müssen – denn die Gewinne bestehen aus Zinsleistungen europäischer Staaten, die aus den jeweiligen nationalen Haushalten finanziert werden müssen, und das eingesetzte Kapital wird zu sensationell günstigen Kreditkonditionen von der EZB zur Verfügung gestellt. Europa – ein Paradies für Banker…
  • Wenn schon die EZB auf die oben geschilderte Art und Weise Kapital in diesem Umfang zur Verfügung stellt, damit die Refinanzierung europäischer Schuldenstaaten zunächst einmal gesichert ist, wäre es doch wesentlich sinnvoller, die EZB würde – unter Umgehung der Banken –  direkt die Staaten refinanzieren. Dies hätte zur Folge, dass man den Staaten das Kapital noch günstiger zur Verfügung stellen könnte, so dass die Zinslasten für die einzelnen Länder noch weiter gesenkt werden könnten. Ein solches Vorgehen ist allerdings durch die Satzung des EZB verunmöglicht, da die EZB ausdrücklich am Primärmarkt nicht im Anleihenmarkt intervenieren darf.

Alles in Butter also?

Ja, für die Banken schon…!

Ansonsten: klares Nein…!

Zwar sind die Refinanzierungskosten für Staaten aus der EURO-Zone nun deutlich gesunken, aber – so absurd es vielleicht klingt – könnte dies möglicherweise genau dazu führen, dass hochverschuldete Staaten nun in ihren Anstrengungen nachlassen, Ihre Haushalte in den Griff zu bekommen. Niemand sollte die Zwangslage von Politikern unterschätzen, die darin besteht, dass man möglicherweise die umfänglichen Notwendigkeiten zur Restrukturierung der Staatsfinanzen zwar kennt, zugleich aber auch durch rigorose Maßnahmen alle Chancen verspielen würde, wiedergewählt zu werden…

Sollte diese Befürchtung eintreten, dann werden Schulden weiter wachsen, statt abgebaut werden. Früher oder später würde es dann zum großen Knall kommen.

Fazit: Alle Länder der EURO-Zone müssen wirkungsvolle Maßnahmen ergreifen, um ihre Haushalte zu sanieren und Schulden zurückzuführen.

Es reicht nicht aus, eine Fiskalunion zu beschwören und Verschuldungsbremsen in die nationalen Verfassungen aufzunehmen.

Die Devise für die Staaten der EURO-Zone muss lauten: Ausgaben dort kürzen, wo es sinnvoll und verträglich ist und die Einnahmeseite deutlich verbessern.

Wie das geht? Darüber kann man trefflich streiten – aber das ist ein anderes Thema..!

Ich werde oft gefragt, ob es überhaupt hochverschuldeten Staaten gelingen kann, sich jemals ihrer Schulden zu entledigen…

Gute Frage! Wie immer bei schwierigen Fragen hilft es, sich die Dinge vereinfacht vorzustellen und sich von unten nach oben vorzuarbeiten…

Starten wir also mit einigen Binsenweisheiten:

  1. Schulden sind an sich nichts Schlimmes – Überschuldung liegt erst dann vor, wenn man aus den laufenden Einnahmen die Schulden nicht mehr wird tilgen können und möglicherweise gerade noch dazu in der Lage ist, die laufenden Zinsen auf die Schulden zu zahlen – wenn überhaupt…
  2. Schulden sind nicht gleich Schulden. Wenn Sie 100.000 EURO Schulden haben, aber nur 20.000 EURO netto p.a. verdienen, ist dies anders zu bewerten, als wenn Sie 100.000 EURO netto im Monat verdienen. Um die „Qualität“ eines Schuldners zu beurteilen, müssen dessen Schulden also in Proportion zu seiner wirtschaftlichen Kraft gesetzt werden (die es ihm entweder ermöglichen wird, Zinsen und Tilgung seiner Schulden zu bedienen, oder eben nicht…)
  3. Um Schulden loszuwerden, gibt es nur eine Möglichkeit – man zahlt sie zurück. Und dies ist nur möglich, wenn man das nötige Kleingeld dafür hat.
  4. Staaten haben Geld, über das sie jedes Jahr wieder neu verfügen können – Steuereinnahmen.
  5. Aus den laufenden Einnahmen eines Staates werden alle notwendigen Ausgaben des Staates finanziert. Bleibt hier etwas über, kann getilgt werden.

Lassen Sie uns nun etwas konkreter werden und stellen uns einen Staat vor, dessen Schuldenstand – gemessen an seinem Bruttoinlandsprodukt (BIP) – 120 % beträgt. Und nun wird es Zeit, sich einfachen mathematischen Gedanken zu widmen:

Um uns das Rechnen ein wenig zu erleichtern, verkleinern wir die Zahlen zunächst ein wenig auf: 120 EURO Schulden bei 100 EURO BIP – Schuldenstand = 120 %

Da der Schuldenstand eine Funktion von 2 Größen ist (Schulden u. BIP), kann der Schuldenstand auf 2 Wegen reduziert werden. Reduktion der Schulden und / oder Erhöhung des BIP.

Beschäftigen wir uns für einen Augenblick nur mit dem 2. Weg – Erhöhung des BIP: auf den ersten Blick würde man sagen, dass es dafür notwendig ist, dass das wirtschaftliche Wachstum eines Landes deutlich zulegen müsste. Richtig, aber es geht auch anders: Inflation..!

Stellen wir uns dazu kurz vor, dass in unserem Beispiel-Land

  • eine Inflation von 3 % (5 %) gemessen werden würde,
  • diese Inflationsrate viele folgende Jahre auf diesem Niveau verharrt,
  • die Wirtschaftsleistung – inflationsbereinigt – nicht wächst, aber auch nicht schrumpft,
  • keine weiteren Schulden aufgenommen werden, sich die Höhe der Schulden also nicht verändert…

In diesem Fall wäre das BIP unseres Beispiel-Land nach ca. 24 (14) Jahren auf ca. 200 EURO gestiegen – 120 EURO Schulden bei einem BIP von 200 EURO entsprechen dann einem Schuldenstand von 60 %…

Hier hat wieder auf wundersame Art und Weise der Zinseszinseffekt seine Kraft entfaltet…

Glauben Sie mir: Politikern und Bankern sind diese Kräfte durchaus bewusst; Inflation ist also eine wirkungsvolle Waffe, um sich zu entschulden und wird deshalb von hochverschuldeten Ländern gerne akzeptiert.

Das ganze Modell funktioniert allerdings nur, wenn die Voraussetzungen – wie oben beschrieben – gegeben sind.

Ist ein Land z. B. nicht in der Lage, seine laufenden Zinsen aus den laufenden Einnahmen zu finanzieren, sondern muss – zur Bedienung der Zinsen – neue Schulden am Kapitalmarkt aufnehmen, funktioniert das „schöne Entschuldungsmodell via  Inflation“ natürlich nicht. Auch hier hilft wieder ein wenig die Mathematik:

Wenn unser Beispiel-Land – nennen wir es jetzt mal beim Namen: Italien – im Schnitt 5 % p.a. Zinsen auf seine Schulden zahlen muss und diese Zinsen vollständig als neue Schulden am Kapitalmarkt aufnehmen muss, erhöhen sich die Schulden in unserem vereinfachten Zahlenmodell von 120 EURO auf 126 EURO. Bei gleichbleibendem BIP in Höhe von 100 EURO stiege der Schuldenstand also auf 126 %. Das BIP müsste um 5 % steigen, damit die Schuldenquote wieder unverändert bei 120 % liegen würde (126/105×100=120 %).

Ein Wachstum des Italien BIP von 5 % ist allerdings vollständig illusorisch – viele Indikatoren vermitteln heute den Eindruck, dass die Wirtschaft in Italien in 2012 eher schrumpfen wird, die Schuldenquote mithin deutlich steigen wird, was zur Folge haben wird, dass die ohnehin angeschlagene Bonität Italiens noch negativer beurteilt werden wird. Dies wiederum hätte höhere Zinsen zur Folge…

Ein Teufelskreis also, der in die Insolvenz führt?

Ja. Wenn es Italien – oder anderen Ländern mit ähnlichen Problemen – nicht gelingt, ihre jeweiligen Haushalte so aufzustellen, dass – neben allen anderen Staatsausgaben – auch die laufenden Zinszahlungen daraus bedient werden können, dann wird es – angesichts vieler Anzeichen für eine sich abschwächende Konjunktur – nicht gelingen, die Schuldenquoten wenigstens konstant zu halten, von Schuldentilgung gar nicht zu reden…

Was also ist zu tun?

Die Lösung ist eigentlich sehr simpel: Staaten müssen einerseits ihre Einnahmen vergrößern und andererseits ihre Ausgaben zurückfahren. Das jedoch ist einfacher gesagt, als getan..!

Einnahmen vergrößern – das bedeutet Steuern erhöhen, neue Steuern kreieren, Steuerflucht und Steuerbetrug endlich wirksam eindämmen. Es bleibt an dieser Stelle jetzt dem geneigten Leser überlassen darüber nachzudenken, welch massiven Widerstände und Proteste von allen Seiten auf die entsprechenden Regierungen hageln würden, wenn hier einschneidende Veränderungen in den jeweiligen Staaten vorgenommen werden würden.

Ausgaben zurückfahren – alle Ausgaben müssten auf den Prüfstand und auf ihre Sinnhaftigkeit überprüft werden. Versteht sich von selbst, dass auch hier mit massiven Gegenreaktionen von denjenigen zu rechnen wäre, denen durch Ausgabenkürzungen „etwas weggenommen“ wird.

In jedem Fall gilt: Maßnahmen zur Einnahmevergrößerung bzw. Ausgabenverkürzung müssen so durchgeführt werden, dass alle sozialen Schichten gleichermaßen daran beteiligt werden, die Haushalte in den betreffenden Ländern zu sanieren.

Leider versucht die Politik in Europa derzeit mehrheitlich das Problem einseitig und ausschließlich durch Kürzungen im Ausgabenbereich zu lösen. Da man auf diese Art u. Weise auf Mehreinnahmen verzichtet, müssen die Ausgabenkürzungen umso drastischer ausfallen. Diese Vorgehensweise ist ebenso dumm wie kontraproduktiv, da Ausgabenkürzungen in diesem Umfang immer  auch Vernichtung von Massenkaufkraft bedeuten; diejenigen Menschen, die ohnehin ihr gesamtes Einkommen – etwa über Transferleistungen –  dazu nutzen müssen, um ihr Leben zu finanzieren, haben künftig noch weniger, das sie ausgeben können. Die Folge: die Binnennachfrage knickt ein – es wird jedem einleuchten, dass sich dieser Effekt nicht eben positiv auf das BIP auswirken kann…

Statt auch diejenigen mehr zu belasten, die nach einer höheren Belastung immer noch über genügend Einkommen verfügen, um genau so gut leben zu können, wie vorher, wird ausgerechnet bei denjenigen gespart, die über keine Lobby in den politischen Gremien verfügen.

Kein Wunder also, dass immer mehr Menschen diese Vorgehensweise einerseits als „Kaputt-Sparen“ und andererseits als ungerecht empfinden…

Zurück zum Thema: Können die Schuldenkrisen in den einzelnen Ländern überwunden werden?

Ja. Rein sachlich und mathematisch gesehen ist dies möglich – siehe oben…

Nein, wenn Politik sich nicht endlich von mächtigen Lobbyisten-Gruppen emanzipiert und sich stattdessen weiter erpressen lässt. Klientel-Politik wird die Krise der Staatshaushalte nicht überwinden, sondern stattdessen die Lunte an die Wurzeln der westlichen Gesellschaften legen.

„Occupy Wallstreet“ ist da erst ein zarter und harmloser Anfang. Je weiter unsere westlichen Gesellschaften bei der Bewältigung der Schuldenkrisen in sich auseinanderdriften und Gegensätze sich weiter verschärfen werden, desto radikaler wird es zu Verteilungskämpfen kommen.

Fazit:

  • Ja, Staatshaushalte könnten saniert werden, Schulden könnten zurückgeführt werden. Dies setzt jedoch voraus, dass Politik „heilige Kühe“ schlachtet und endlich das bislang „Undenkbare“ wagt, zu „bedenken“…
  • Können wir ernsthaft mit einer solchen Kehrtwende in der politischen Kultur in der EURO-Zone rechnen?

Ja, ich weiß – die Frage ist – leider – rhetorisch.

An dieser Stelle bleibt mir nur noch übrig, Ihnen allen ein schönes, erfolgreiches und vor allen Dingen gesundes neues Jahr zu wünschen. Ich freue mich darüber, Sie alle hier wieder in 2012 als Leser dieses Blogs begrüßen zu können!

Ulrich G. W. Harmssen

Angst…

Posted: Dezember 26, 2011 in Diverses

Sind Sie auch eine Leseratte? Ich jedenfalls bin es mit Haut und Haaren..!

Kein Wunder also, dass ich immer wieder zu Weihnachten mit Büchern reichlich beschenkt werde; so auch dieses Jahr…

Eines dieser Bücher hat den Titel „Angst“ – geschrieben wurde es von Robert Harris – ein Thriller, der im Umfeld eines Hedgefonds spielt… – ein spannendes Buch, das man nicht so schnell aus den Händen legt! Und ich kann es beurteilen – die knapp 400 Seiten waren in 2 Tagen gelesen…!

Bei Amazon schreibt findet man folgenden Text über das Buch:

„Für die Öffentlichkeit ist er ein Unbekannter, aber in den geheimen inneren Zirkeln der Superreichen ist Alex Hoffmann eine lebende Legende – ein visionärer Wissenschaftler, der eine Software entwickelt hat, die an den Börsen der Welt Milliardengewinne erzielt. Nun hat es jemand auf ihn abgesehen, und es beginnt für ihn eine albtraumhafte Zeit aus Angst und Schrecken. Kann er die Geister, die er rief, wieder loswerden? Oder stürzt er unaufhaltbar in den Abgrund – und mit ihm die Finanzmärkte der Welt?

Zusammen mit seinem Partner, einem Investmentbanker, hat der geniale Alex Hoffmann eine revolutionäre Form des algorithmischen Aktienhandels entwickelt. Künstliche Intelligenz und das Sammeln von Angstparametern im globalen Internet werden zu einer hochgeheimen Software verknüpft, die mit geradezu unheimlicher Präzision die Bewegungen der Finanzmärkte voraussagen kann. Sein Hedgefonds mit Sitz in Genf macht Milliarden. 

Eines Nachts überwindet ein unheimlicher Einbrecher die ausgeklügelten Sicherheitsanlagen seines Domizils am Genfer See und reißt ihn und seine Frau aus dem Schlaf. Damit beginnt ein Albtraum voller Paranoia und Gewalt, in dessen Verlauf Hoffmann mit wachsender Verzweiflung versucht, demjenigen auf die Spur zu kommen, der sein Leben zerstören will. Seine Nachforschungen konfrontieren ihn mit den elementarsten Fragen nach dem Wesen des Menschen. Am Ende jenes Tages werden die Finanzmärkte in Aufruhr und Hoffmanns Welt – unsere Welt – für immer eine andere sein.“

Fazit: ein spannendes Buch, das neugierig auf weitere Bücher von Robert Harris macht…

Finaler Countdown? Teil 3

Posted: Dezember 14, 2011 in Schuldenkrise

Nun also Teil 3…

Werfen wir aber vorher einen kleinen Blick auf den letzten EU-Gipfel vom vergangenen Wochenende…

Grundsätzlich geht das, was da in Brüssel beschlossen wurde, in die richtige Richtung; nur kommen diese Beschlüsse viele Jahre zu spät.. und vieles an den Beschlüssen ist noch völlig im Unklaren, da es sich bislang im Grunde um bloße Absichtserklärungen handelt.

Natürlich ist es richtig, wenn die einzelnen Staaten künftig dazu angehalten werden sollen, ihre Neuverschuldung zu begrenzen und die Gesamtverschuldung sukzessive zu reduzieren. Schuldenbremsen in die jeweiligen Verfassungen der einzelnen Länder aufzunehmen sind auch keine schlechte Idee – nur sind dies alles zunächst einmal nur symbolische Handlungen, denen dann auch ein aktives Tun folgen muss..!

Die Frage etwa, was denn passiert, wenn einzelne Länder gegen Auflagen verstossen, ist nicht dadurch geklärt, in dem man lediglich die Formulierung „automatische Sanktionen“ erwähnt. Die Frage – „Wer stellt Verstöße fest und sanktioniert wie?“ – ist ebenfalls bislang überhaupt noch nicht geklärt. Womöglich sind – in einer noch zu gründenden entsprechenden neuen Kommission (?) – die „Richter“ identisch mit den „Sündern“? Muss einstimmig beschlossen werden? Reicht eine 2/3 Mehrheit? Gibt es ein Widerspruchsrecht? Ist dafür dann der Europäische Gerichtshof zuständig?

Diese Fragen sind alle noch nicht wirklich beantwortet… Im Übrigen müssen diese Bestimmungen – wenn sie dann einmal auch ausformuliert und zu Ende gedacht sind – in einem gemeinsamen Vertragswerk beschlossen werden, dass bekanntlich von Großbritannien nicht mit unterzeichnet werden wird. Unterschreiben aber nur 26 der 27 Mitglieder der EU dieses neue Vertragswerk, könnte dies rechtswidrig sein, weil es gegen geltende Bestimmungen des Vertrages von Lissabon verstößt –  so jedenfalls schon jetzt die Meinung der juristischen Dienste von EU-Kommission, EZB und Ratssekretariat der EU.

Darüber hinaus müssen mindestens alle nationalen Parlamente dem Vertrag erst einmal zustimmen – inzwischen ist schon aus einzelnen Mitgliedsländern zu hören, dass gegebenenfalls auch Volksabstimmungen dafür nötig sein werden… Man darf getrost davon ausgehen, dass es bei den Abstimmungen in den Mitgliedsländern – ob das Parlament nun abstimmt oder die Bevölkerung – zu viel Widerstand kommen wird gegen die Pläne, einen Teil der jeweiligen nationalen Souveränität an Brüssel abzugeben…

Fazit: eine Menge heiße Luft, die da in den Brüsseler Nachthimmel gepustet wurde…

Fest steht jedenfalls, dass das Bemühen um haushaltspolitische und fiskalische Stabilität in den Mitgliedsländern der Euro-Zone zwar gut gemeint ist, aber 1. noch viele Hürden bei der Umsetzung warten und 2. vor allen Dingen viel zu spät kommt. Denn das Kind ist längst in den Brunnen gefallen; da nützt es wenig, wenn man nun versucht, einen Zaun um den Brunnen zu bauen…

Bekanntlich stehen in den kommenden Monaten riesige Summen an, die von den Mitgliedsländern der EURO Zone am Kapitalmarkt refinanziert werden müssen (auf diesen Umstand hatte ich in den vorausgegangenen Beiträgen hier im Blog bereits mehrfach hingewiesen). Daran können auch die aktuellen Beschlüsse des letzten EU-Gipfels nichts ändern. Vor allen Dingen haben sie nichts an dem mangelnden Interesse von Investoren für europäische Staatsanleihen – sieht man einmal von deutschen Staatsanleihen ab – geändert.

Damit sind wir wieder bei der Frage: „Wer sollen die Käufer von europäischen Staatsanleihen sein (die ja benötigt werden, um Staaten nicht zahlungsunfähig werden zu lassen?)“

Der EFSF fällt wg. mangelnder Feuerkraft aus. Die geplante Hebelung des EFSF hat mangels Interesse von Investoren nicht stattgefunden. Der EFSF ist also im Ernstfall viel zu klein…

EURO Bonds sind aktuell vom Tisch – glücklicherweise…

Auch der ESM (permanenter Rettungsschirm), der nun auf Mitte 2012 vorgezogen wird,  dürfte im Ernstfall nicht ausreichen, um Staatspleiten zu verhindern (ein weiterer Beschluss des EU-Gipfels war daher die Aufforderung an Berlin, die Deckelung des ESM auf 500 Mrd. EURO zu prüfen; zudem ist geplant, dass die EURO-Länder dem IWF einen Kredit für Hilfen an EURO-Länder bis zu 200 Mrd. EURO geben; das Geld dafür soll von den nationalen Notenbanken kommen, was jetzt schon auf den entschiedenen Widerstand der Bundesbank trifft)…

Bleibt aus meiner Sicht nur noch die EZB…

Ja, ich weiß: es ist nicht die Aufgabe der EZB, Staatsschulden zu monetarisieren. Fakt ist jedoch: sie tut dies bereits, in dem sie am Sekundärmarkt eingreift und mit Käufen von Staatsanleihen „Kurspflege“ betreibt… Das macht die Sache zwar nicht besser, allerdings darf man sich gar nicht vorstellen, wo wohl aktuell z. B. die Renditen der italienischen Staatsanleihen liegen würden, hätte die EZB nicht bereits massiv eingegriffen…!

Ja, ich weiß: das Drucken von Geld durch die EZB bläht die Geldmenge auf und führt – so jedenfalls die Lehrbuchmeinung – zu Inflation. Dazu jedoch muss dieses neu geschaffene Geld auch erst einmal nachfragewirksam werden, also in den Kreislauf der Realwirtschaft gelangen. Und zum anderen wäre dieses „Quantitative Easing“ der EZB auf Dauer keine Lösung; es würde aber Zeit verschaffen; Zeit, die dann allerdings massiv von den einzelnen Ländern der EURO-Zone dazu genutzt werden muss, damit die immense Verschuldung reduziert wird (Ob dies überhaupt möglich ist? Damit werde ich mich in Teil 4 von „Finaler Countdown?“ beschäftigen).

Machen wir also ein kurzes Gedankenexperiment und stellen uns vor, die EZB würde verkünden, dass sie mit unbegrenzten Mitteln zukünftig eingreifen wird…

Die Folge wäre ziemlich klar: die EZB bräuchte wohl überhaupt keine unbegrenzten Mittel einsetzen, da Investoren sofort auf den Staatsanleihenmarkt der EURO-Zone zurückkehren würden. Die Renditen von z. B. italienischen Staatsanleihen würden drastisch sinken, Italien könnte sich billiger refinanzieren und bekäme Zeit, um die dringenden Probleme des Landes zu lösen (Korruption, „Volkssport“ Steuerverkürzung, Mafia, reicher Norden – armer Süden etc.).

Aber auch eine andere Folge ist dann denkbar: schon einmal haben Länder, die es zuvor immer gewohnt waren, hohe Zinsen an den Kapitalmärkten zu zahlen, bei Eintritt in die EURO-Zone deutlich niedrigere Zinsen dazu benutzt, um exzessiv Schulden am Kapitalmarkt aufzunehmen. Dieser „Moral Hazard“ muss dann tatsächlich über die Einführung von wirkungsvollen Bestimmungen zur Stabilität in der EURO-Zone unmöglich gemacht werden; eine Herkulesaufgabe, die allerdings unbedingt und schnellstens gelöst werden muss.

Ansonsten – lassen Sie es mich so salopp sagen – fliegt uns der EURO in den nächsten Monaten – so oder so – um die Ohren…!

Bleibt mit nur noch, Sie auch auf folgenden Umstand hinzuweisen – und das tue ich nicht, um Ihnen die Stimmung noch mehr zu verderben (!): Nicht nur müssen im nächsten Jahr Staatsschulden der EURO-Zone in Höhe von ca. 900 Mrd. EURO refinanziert werden. Zusätzlich werden auch Bankanleihen von europäischen Großbanken in 2012 fällig. Volumen: ca. 850 Mrd. EURO..!

Viel Sprengstoff also, der da in 2012 auf uns zukommt!

2012 – das wage ich mal an dieser Stelle vorauszusagen – wird deshalb das entscheidende Jahr werden, in dem viele Weichen für unser aller Zukunft gestellt werden…

Mit der Frage – „Ist es überhaupt möglich, dass Staaten ihre enormen Schulden auf ein erträgliches Maß – was immer das auch ist – reduzieren können?“ – werde ich mich im abschließenden Teil 4 zum Thema „Finaler Countdown?“ beschäftigen…

Die Herren des Geldes…

Posted: Dezember 5, 2011 in Diverses, Schuldenkrise
Mitunter gibt es Bücher, die wirklich erhellend sind…
Vor kurzem habe ich mit Herrn Thomas Seppi „geskypt“, Vorstand der FPM Frankfurt Performance Management AG. Herr Seppi ist u. a. für das Overlay Management des DWS Top S zuständig und macht da seit Jahren einen tollen Job…
In unserem Gespräch über die aktuelle Situation an den Finanz- und Kapitalmärkten hielt er plötzlich ein Buch in die Kamera: „Die Herren des Geldes“ von Liaquat Ahamed. Das Buch trägt den den Titel: „Die Herren des Geldes – Wie 4 Bankiers die Weltwirtschaftskrise auslösten und die Welt in den Bankrott trieben.“
Als ehemaliger Mitarbeiter bei der Weltbank kennt der Autor des Buches sich aus und weiss wovon er spricht (schreibt). Das Buch bekam 2010 den Pulitzerpreis.
Wenn Sie also noch ein Geschenk suchen oder sich einfach mal selbst beschenken wollen, sei Ihnen dieses Buch sehr empfohlen – hochinformativ, gut zu lesen und – die Parallelen zu heute sind unverkennbar..!
Bei amazon ist folgender beschreibender Text zum Buch zu lesen: „Detailliert zeichnet Ahamed nach, wie Notenbanker Millionen von Menschen ins Verderben stürzen, wenn sie danebenliegen. Hier zeigt sich bereits eine Analogie zur heutigen Situation, denn die Fachwelt diskutiert, ob durch die weltweite Öffnung der Geldschleusen nicht bereits der Grundstein für die nächste Krise gelegt wird. Der Reiz des Buches liegt darin, dass Ahamed nicht einfach die Entstehung der Weltwirtschaftkrise 1929 beschreibt, sondern dies anhand der Persönlichkeiten von vier Notenbankern tut, die alle auf ihre Weise hochspannende Figuren waren und die Geldpolitik bis heute prägen. Ahameds Thesen sind provokativ und haben in den USA großes Aufsehen erregt. Im Kern sagen sie, dass sich Notenbanker nicht zu dogmatisch an einem Ziel festklammern sollten. Damit greift Ahamed indirekt heutige Geldpolitiker an, die unter allen Umständen die Inflation kontrollieren wollen, besonders in Europa. Ausgezeichnet mit dem Pulitzerpreis 2010!“
Ansonsten muss ich Sie – wenn Sie heute auf den abgekündigten 3. Teil von „Finaler Countdown“ warten sollten – auf später vertrösten. Aber; aufgeschoben ist nicht aufgehoben..!

Es ist ja nicht verwunderlich, dass das „gemeine Volk“ schon lange nicht mehr durchblickt. Diejenigen aber, die über Instrumente zur Bewältigung von Schuldenkrise in der EURO-Zone zu befinden und abzustimmen haben, sollten eigentlich bestens informiert sein, worum es eigentlich geht…, oder?

Stattdessen: http://www.youtube.com/watch?v=aqmbs-F-VAI

Ohne Kommentar…

Am 21.11.2011 diskutierten  Schroders Chief Investment Officer Alan Brown und Chefvolkswirt Keith Wade die Schuldenkrise in Europa. Sie hinterfragten Griechenlands Verbleiben im Euroraum und Italiens Pläne sein Defizitproblem anzugehen. Wie kann es weitergehen mit der Gemeinschaftswährung? Zerfällt der Euroraum oder schrumpft er auf eine Kernzone zusammen und welche Auswirkungen auf die Weltwirtschaft könnten auf uns zukommen?

Sehens- und hörenswert.. –> http://mediazone.brighttalk.com/comm/Schroders/9e4b0147f4-28203-2114-31105

Ansonsten: Teil 3 des Beitrages hier im Blog zum Thema „Finaler Countdown?“ wird am kommenden Montag – nach dem Treffen von Merkel und Sarkosy – gepostet… Wer weiß schon heute, was die Beiden uns verkünden werden? Bitte melden..!

Ihnen allen ein schönes und erholsames Wochenende!

Bevor ich – wie vorgestern angekündigt – in meinem Beitrag hier fortfahre, muss ich doch auf 2 Dinge eingehen, die gestern „über den Ticker kamen“.

1. In einer großangelegten Gemeinschaftsaktion haben gestern die internationalen Notenbanken mehr Liquidität bereitgestellt. Mit dabei: Fed, EZB, Bank of England, Bank of Japan, , Bank of Canada und die SNB. Zuvor hatte die chinesische Zentralbank bereits eine Lockerung der Geldpolitik angekündigt. Hintergrund sind in erster Linie veringerte Preis für Dollar Swaps und andere Maßnahmen, die dafür sorgen sollen, die Liquidität an den Märkten zu erhöhen. Die Aktienmärkte sprangen darauf rasant in die Höhe.

2. Darüber hinaus wurde gestern bekannt, dass Italien offenbar seit Wochen mit dem IWF über einen größeren Kredit verhandelt…

Zu 1. Man mag diese konzertierte Aktion der wichtigsten Notenbanken begrüßen, sorgt sie doch dafür, dass Banken und andere Wirtschaftsbereiche mit ausreichend frischem Geld versorgt werden. Erklärtes Ziel ist es, ein Abgleiten in eine globale Rezession zu verhindern. Gleichzeitig muss man sich aber schon die Frage stellen, in welcher Verfassung sich die Kreditmärkte befinden müssen, wenn die wichtigsten Notenbanken dieser Welt ein derartiges Vorgehen beschließen… Letztendlich ist diese Aktion wohl nicht mehr als ein verzweifeltes tonnenweises Einnehmen von Kopfschmerztabletten, um kurzfristig die Kopfschmerzen zu bekämpfen. Die Ursachen der Kopfschmerzen sind damit nicht beseitigt; die Kopfschmerzen kommen wieder…

Zu 2. Sollte die Nachricht stimmen, die gestern über Reuters verbreitet wurde, dass Italien offenbar schon seit Wochen mit dem IWF über einen größeren Kredit verhandelt – die Rede ist von 400 Mrd. EURO – wäre das schon erstaunlich. Die Politik würde damit das zugeben, was ich hier schon mehrfach im Blog ausgeführt habe: dass nämlich die Feuerkraft des EFSF bei weitem nicht ausreichen wird, um ein Land in der Größenordnung von Italien zu retten…

Im Übrigen ist der Hilfsfonds des IWF „nur“ ca. 280 Mrd. EURO groß – man fragt sich also, wer da wohl zusätzlich in die Bresche springen soll…

Fazit; schon erstaunlich, was an einem einzigen Tag in diesen Zeiten alles passieren kann..!

Nun zur Fortsetzung des vorgestrigen Artikels:

Zur Erinnerung: alleine bis Ende April müssen Staatsanleihen von Italien in Höhe von ca. 135 Mrd. EUR, von Spanien in Höhe von ca. 68 Mrd. EURO refinanziert werden. Wenn man den gesamten Refinanzierungsbedarf von Italien, Spanien, Frankreich und Deutschland für das Jahr 2012 in toto berücksichtigt, wird die astronomische Summe von knapp 1 Billion EURO = 1.000 Mrd. EURO = 1.000.000 Mio. EURO zur Refinanzierung fällig.

Bleiben wir also lieber erst einmal nur bei Italien und Spanien; augenblicklich – so mein Eindruck – werden am freien Kapitalmarkt sich nicht genügend Investoren finden, um diese enormen Summen zu refinanzieren. Springt „niemand anders“ dafür ein, können Spanien und Italien ihre Gläubiger nicht bedienen, beide Länder wären damit pleite…

Die Folge wären desaströse Verwerfungen; Banken, die spanische und italienische Staatsanleihen in ihren Büchern halten, wären gezwungen, diese Positionen abzuschreiben, was in vielen Fällen zur sofortigen und vollständigen Vernichtung des gesamten Eigenkapitals führen würde. Die Banken wären pleite und müssten mit Hunderten von Milliarden EURO wieder einmal gerettet werden. Dies beträfe übrigens längst nicht nur europäische Großbanken, sondern auch Banken in den USA und GB – die zusätzlich auch noch im großen Stil Credit Default Swaps (CDS) auf spanische und italienische Staatsanleihen verkauft haben, so dass hier riesige Zahlungsansprüche gegen diese Banken entstehen würden.

Natürlich wäre auch die EZB betroffen, die mittlerweile große Pakete von ital. und span. Staatsanleihen hält, denn am Ende des Tages ist die EZB eben auch nur eine Bank – mit einem haftenden Eigenkapital von gerade einmal ca. 11 Mrd. EURO – der Abschreibungsbedarf wäre ein Vielfaches davon…

Ich erspare es mir, an dieser Stelle auch noch auf Pensionsfonds, Pensionskassen, Versicherungen, Investmentfonds etc. einzugehen, die teilweise – in mehr oder weniger großem Umfang – ebenfalls betroffen wären…

Was also ist zu tun?

Der EFSF in seiner jetzigen Ausgestaltung ist definitiv zu klein, um das Refinanzierungsproblem Italiens und Spaniens in 2012 zu lösen. Die Verhandlungen Italiens mit dem IWF – so sie sich denn bewahrheiten sollten – zeigen, dass selbst die Schöpfer des EFSF nicht an dessen ausreichende Feuerkraft glauben.

Sind also Euro-Bonds – neuerdings von EU-Kommissionspräsident Barroso wieder ins Gespräch gebracht und von ihm als „Stabilitätsbonds“ bezeichnet – die Lösung?

Nun, zunächst ist auch an diesem Punkt festzuhalten, dass – nur wenige Wochen nach der „Geburt“ des gehebelten EFSF – Barroso sich offenbar genötigt fühlt, derartige Empfehlungen auszusprechen, weil selbst er wohl am Erfolg des EFSF zweifelt. Ein verheerendes Signal an die Märkte! Wer wollte unter diesen Umständen ermutigt sein, Staatsanleihen der EURO-Zone zu kaufen..??

Barroso hat drei verschiedene Varianten der EURO Bonds vorgeschlagen:

  1. Eine noch zu schaffende EU-Schuldenagentur gibt EURO Bonds aus, nationale Staatsanleihen entfallen komplett. Alle zahlen den gleichen Zinssatz und alle haften unbegrenzt für die über die EURO Bonds aufgenommenen Schulden.
  2. Jedes Land kann sich über EURO Bonds „nur“ bis zu 60 % bezogen auf sein BIP in EURO Bonds verschulden. Auch hier haften alle gemeinschaftlich für das aufgenommene Kapital. Benötigt ein Land mehr Geld, müssen eigene Anleihen ausgegeben werden, für die das Land einen individuellen Zinssatz zahlt und selber im Umfang dieser Anleihen haftet.
  3. Wie 2 – allerdings Haftung begrenzt gemäß Größe und Wirtschaftskraft eines Landes (derzeit Deutschland ca. 27 %).

Die Variante 3 könnte relativ zügig eingeführt werden, ist aber am wenigsten effektiv, da sich insgesamt wenig ändert.

Variante 1 und 2 können nicht einfach eingeführt werden, da § 125 des Lissabon Vertrages ausdrücklich die gemeinschaftliche Haftung für die Schulden eines Landes ausschließt („Beistandsverbot“).

Im Ergebnis würden bei Variante 1 ausgerechnet jene Länder mit niedrigeren Zinsen belohnt, die sich bis über die Halskrause in den letzten Jahren verschuldet haben, hingegen diejenigen Länder mit höheren Zinsen bestraft, die das Wort Haushaltsdisziplin halbwegs buchstabieren können.

Länder, die jetzt dazu gezwungen sind, massive Ausgabenkürzungen vorzunehmen und die Einnahmeseite zu verbessern, könnten mit EURO Bonds versucht sein („moral hazard“), in ihren Anstrengungen nachzulassen. Daher müssten m. E. zunächst unbedingt Schritte unternommen werden, die die einzelnen Länder dazu zwingen, ihre Schuldenberge nachhaltig abzubauen. Es kann aus meiner Sicht jedenfalls nicht sein, dass nationale Fiskalpolitik weiterhin verantwortlich bleibt für künftige Defizite, die Abtragung der so weiter wachsenden Schulden aber Sache der Gemeinschaft wäre. Insofern wäre die Einführung der EURO Bonds aus meiner Sicht erst dann möglich, wenn eine Fiskalunion beschlossen wird und umgesetzt ist.

Dies allerdings würde die Aufgabe nationaler Zuständigkeiten bedeuten. Die bislang nationalen parlamentarischen Hoheitsrechte über die Verabschiedung  eines nationalen Haushaltes müssten dann zugunsten einer noch zu schaffenden EU Instanz abgetreten werden, die diese nationalen Haushalte genehmigt oder eben auch ablehnen kann.

Es ist aus meiner Sicht allerdings kaum vorstellbar, dass 1. alle Länder einer solchen umfassenden Regelung zustimmen werden (dazu sind die nationalstaatlichen Befindlichkeiten bei weitem noch nicht europäisch genug ausgeprägt) und 2. würde eine umfassende und ausreichende Implementierung einer Fiskalunion viel zu lange dauern; bis dahin ist das Kind längst in den Brunnen gefallen…

Fazit: die Einführung von EURO Bonds in der Variante 3 ginge zügig, bliebe aber wirkungslos – die Einführung von EURO Bonds in den Varianten 1 und 2 ist vernünftigerweise an Voraussetzungen gebunden, deren Umsetzung zu lange dauern würde… Würde man auf die genannten Voraussetzungen verzichten, wäre dies absolut unverantwortlich…

Bleibt die EZB, die schon länger „kursstützend“ mit dem Aufkauf von Staatsanleihen tätig ist.

Zu diesem Thema folgt in Kürze Teil 3 diese Beitrages…

 

Keine Frage, die Verschuldungssituation in der EURO Zone spitzt sich zu, und vieles deutet darauf hin, dass nun diejenige Zeit beginnt, in der die Politik vieles richtig oder eben auch alles falsch machen kann, um „den Karren aus dem Dreck zu ziehen“…

Schauen wir in Teil 1 dieses Beitrages zunächst mal auf die nackten Fakten:

2012 werden Staatsanleihen – alleine von Spanien und Italien – in Höhe von ca. 445 Mrd. EURO fällig. Rechnet man noch die in 2012 fälligen Staatsanleihen von Deutschland und Frankreich hinzu, kommt man auf die astronomische Summe von ca. 935 Mrd. EURO.

Mit anderen Worten: Schulden in erheblichem Umfang müssen zurückgezahlt werden. Wie wird das üblicherweise gemacht? Es werden einfach neue Anleihen ausgegeben und mit dem so vereinnahmten Kapital werden die Schulden bezahlt.

Dieses Schneeballsystem hat viele Jahre gut funktioniert, solange es Investoren gab, die an der Bonität des Anleiheemittenten nicht zweifelten und daher davon ausgingen, dass sie – neben den Zinsen während der Laufzeit – ihr investiertes Kapital zur Fälligkeit zurückerhalten würden…

Genau an dieser Stelle – lassen Sie es mich salopp sagen – „klemmt“ es nun…

Abzulesen ist diese Tatsache an den Renditen der Staatsanleihen von Ländern, die so hoch verschuldet sind, dass Investoren – wenn überhaupt – nur noch dann zugreifen, wenn das deutlich gestiegene Risiko mit deutlich höheren Renditen belohnt wird.

So muss z. B. Italien – auch nach dem Regierungswechsel – für neues Geld rekordhohe Zinsen zahlen. Das hochverschuldete Land Italien konnte sich am vergangenen Freitag zwar am Kapitalmarkt wie geplant 10 Milliarden Euro leihen. Für Papiere mit sechsmonatiger Laufzeit muss Italien nun aber einen durchschnittlichen Zins von 6,5 % zahlen, für eine zweijährige Anleihe sogar einen Zins von 7,8 %; im Oktober lagen die Renditen noch bei 3,5 % bzw. 4,6 %.

Auch die Renditen für spanische Anleihen sind inzwischen kräftig gestiegen, ebenso die von französischen Anleihen; ja, selbst deutsche Anleihen – bislang als „safe haven“ mit rekordtiefen Renditen versehen – kommen nun unter Druck..: bei einer Auktion neuer deutscher Staatsanleihen vor wenigen Tagen mit einer Laufzeit von zehn Jahren blieb die Bundesfinanzagentur auf etwa einem Drittel der Papiere sitzen. Bei einem Angebot im Volumen von 6,0 Milliarden Euro fanden nur Anleihen im Wert von 3,89 Milliarden Euro einen neuen Besitzer. Händler sprachen in ersten Reaktionen von einem erschreckend schwachen Ergebnis.

Die neue Bundesanleihe war mit einem Kupon etwas über zwei Prozent ausgestattet. Laut der Bundesfinanzagentur war das der niedrigste Zinssatz, der jemals für Papiere mit einer Laufzeit von zehn Jahren angeboten wurde. Bei einem Durchschnittskurs von 100,15 Prozent lag die erzielte Rendite bei 1,98 Prozent. Dies ist etwas weniger als der Zins, mit der zehnjährige deutsche Staatsanleihen derzeit frei gehandelt werden.

Manch einer mag nun einwenden, dass angesichts einer mageren Rendite von 1,98 % Investoren sich zurückhalten würden…

Für einige interessierte Investoren mag das auch so gegolten haben. Ich gehe aber davon aus, dass inzwischen etlichen Investoren auch klar geworden ist, das Deutschlands Bonität angesichts zahlreicher eventueller Verpflichtungen aus Rettungspaketen, Rettungsschirmen und Rettungsmechanismen mindestens kritisch hinterfragt werden muss, insbesondere dann, wenn plötzlich wieder EURO Bonds als Massnahme diskutiert werden, die in einer der drei vorgestellten Varianten die unbegrenzte Haftung für die Schulden aller EURO-Länder vorsieht. Doch dazu später mehr…

Bleiben wir bei den Fakten: die Wunderwaffe EFSF und die geplante 4-5 fache Hebelung über eine „Versicherungslösung“ scheint gescheitert. Offenbar hat EFSF-Chef Klaus Regling auf seiner Bittsteller-Tour bei Staatsfonds allerorten – insbesondere in Asien – nur ein müdes Abwinken kassiert. Die Manager der milliardenschweren Staatsfonds trauen Europa offenbar nicht mehr zu, die Probleme wirkungsvoll zu lösen… Reglung will nun in dieser Woche beim Treffen der EU-Finanzminister neue Vorschläge machen, wie die notwendige Feuerkraft des EFSF dennoch hergestellt werden kann. Man darf gespannt sein…

Dass Staatsfonds und andere institutionelle und private Anleger sich nun aus europäischen Staatsanleihen zurückziehen, ist kein Wunder. Am 26. Oktober verordneten die „EURO-Retter“ ihren Banken höheres Eigenkapital, damit sie auf eventuelle Zahlungsausfälle  bei europäischen Staatsanleihen besser vorbereitet sind. Diese an sich sinnvolle Maßnahme dann aber unter großem Getöse und vermeintlich werbewirksam in die Öffentlichkeit zu posaunen („Schaut her, wir tun etwas!“), sendet ein verheerendes Signal in die Investorenlandschaft, bedeutet dies doch nichts anderes, als dass die „EURO-Retter“ selber offenbar mit Zahlungsausfällen rechnen..! Kein Wunder also, dass genau oben genannte Adressen sich jetzt im großen Stil von europäischen Staatsanleihen trennen –> sinkende Kurse –> steigende Renditen.

Auch nicht gerade verkaufsfördernd wirkt sich der neuerliche Stresstest der EBA aus. In diesem Test wird untersucht, wie viel Geld europäische Banken brauchen, um bis Ende Juni 2012 eine harte Kernkapitalquote von neun Prozent zu erreichen, wenn alle Staatsanleihen zu Marktpreisen bewertet werden. Als Ergebnis dieses Tests werden jetzt schon 3 -stellige Milliardensummen kolportiert..!

Nebenbei: bislang mussten Banken für Staatsanleihen in ihren Büchern – und seien die Bestände auch noch so hoch – nicht einen einzigen EURO Eigenkapital vorhalten. Kein Wunder, galten Staatsanleihen ja bislang auch als „bombensicher“ und wurden daher gerne auch von Amtsgerichten als mündelsicher bezeichnet. Nun, da sich die Zeiten drastisch geändert haben, und inzwischen wohl jedem klar geworden ist, dass es um die Sicherheit von Staatsanleihen nicht mehr sehr gut bestellt ist,  ist die Anforderung an Banken, zukünftig Staatsanleihen mit Eigenkapital hinterlegen zu müssen, zwar einerseits sinnvoll; andererseits wird dadurch der Appetit von Banken auf den künftigen Kauf von Staatsanleihen nicht eben gerade befeuert..!

Wer also wird künftig Staatsanleihen aus der EURO Zone überhaupt noch kaufen?

Noch einmal zur Erinnerung; fast 1 Billion EURO müssen allein von Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien in 2012 refinanziert werden! Und allein auf Italien rollt bis Ende April 2012 eine Refinanzierungswelle von ca. 180 Mrd. EURO zu!

Was also tun?

Kann – um in letztem Beispiel zu bleiben – Italien diese Summe nicht stemmen, ist Italien – die drittgrößte Volkswirtschaft der EURO Zone – pleite, zahlungsunfähig… Die EURO Zone würde sofort implodieren…

Was also kann überhaupt noch getan werden – und wie groß ist die Chance, dass es auch getan wird?

Lesen Sie die Antworten auf diese Fragen im 2. Teil zum Thema „Finaler Countdown?“…

Der Bock als Gärtner?

Posted: November 14, 2011 in Schuldenkrise

Bekanntlich sind heimische Tiere im eigenen Garten durchaus beliebt. So eignen sich Schafe hervorragend auf dem grünen Rasen als Mäher desselben…

Ziegenböcke im Garten werden dagegen eher selten gesehen, zertrampeln sie doch alle Beete und zermalmen hübsche Blümchen zwischen ihren mahlenden Zähnen…

Sie fragen sich: Mutiert dieser Blog nun zu einem Ratgeber hinsichtlich der Pflege unserer grünen Idylle vor dem Hause? Nein, ganz gewiss nicht…!

Bleiben wir doch noch kurz beim Ziegenbock und nennen ihn jetzt erst einmal Lucas.

Lucas war einmal der Chef einer großen Bank in Griechenland, der griechischen Zentralbank. In dieser Eigenschaft war er maßgeblich daran beteiligt, die Zahlen der griechischen Volkswirtschaft unter tätiger Mithilfe von Goldman Sachs zu Türken (oder sollte man besser sagen: „Griechen“?), um in den erlauchten Kreis der EURO-Zone zu gelangen.

Kaum war dieser Job erledigt, wurde Lucas Vize Chef der EZB und hat ganz sicher so lange wie möglich – wer lässt sich schon gerne beim Schummeln und Betrügen erwischen –  versucht zu verhindern, dass diese Täuscherei ans Licht kommt.

Inzwischen wissen wir alle, dass Griechenland ohne diese geschönten Zahlen wohl kaum als Mitglied in die EURO-Zone aufgenommen worden wäre…

Und nun haben wir den Salat. Griechenland ist faktisch schon lange pleite und muss nun mit aberwitzigen Milliarden EURO von den Steuerzahlern der EU immer wieder gerettet werden.

Eigentlich sollte man da doch annehmen, dass alle ziemlich sauer auf Lucas sind… Oder?

Weit gefehlt..! Der Bock ist sehr beliebt und soll nun Griechenland retten, ernsthaft…

Lucas hat nämlich auch einen Nachnamen: Papademos – und das ist bekanntlich der neue griechische Ministerpräsident…!

Und wenn Sie nun glauben, dies wäre ein satirischer Beitrag, dann muss ich Sie enttäuschen, denn: genau so war es, und genau so ist es jetzt…

Die altbekannte Frage: „Was darf Satire?“ wird angesichts dieser Realität völlig obsolet und braucht daher gar nicht erst gestellt zu werden.

Merke: Satiriker haben es in diesen Zeiten leicht. Sie müssen lediglich in launigen Worten die Wirklichkeit beschreiben und benötigen dafür keine Übertreibungen…